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YouTomb - der Friedhof von YouTube

Die Video- und Bilderflut auf YouTube war schon immer ein Problem, das wissen auch die Erfinder von YouTomb. Ob es um Urheberrechtsverletzungen oder Gewaltdarstellung geht, Pornografie oder persönliche Beleidigung. Nutzer können Videos den Betreibern melden, wenn sie deren Inhalt anstößig finden. Aber bei täglich 65.000 neuen Videos und 100 Millionen angeschauten Clips gestaltet es sich schwierig, den Überblick zu behalten. Oftmals stecken auch große Firmen hinter den verbannten Videos, die ihre Inhalte schützen oder Angst vor Image-Schäden haben. Eine Gruppe von US-Studenten hat jetzt eine Seite entwickelt, die ein bisschen mehr Licht in das Wirrwarr von hochladen und wieder löschen bringen soll, der Name des Projekts: YouTomb.

Die Homepage YouTomb ist ein Forschungsprojekt von Studenten des Massachusetts Institute of Technology (MIT), der Name setzt sich aus dem Branchenriesen YouTube und dem englischen Wort für Grab zusammen. Hier werden automatisch Videos gesammelt, die bei YouTube aus verschiedensten Gründen rausgeflogen sind. Zusätzliche Informationen sind der Grund für die Entfernung des Videos und wie viele es bis dahin geschaut hatten. Rein technisch gesehen nutzt die Website frei verfügbare Software, die automatisch Videos auf YouTube überwacht und aufzeichnet, falls eines, aus welchen Gründen auch immer, verbannt wird.

Anschauen kann man die Videos bei YouTomb nicht. Vielmehr geht es den jungen Forschern darum herauszufinden, welche Art von Videos auf berühmten Plattformen keine Chance hat und aus welchen Gründen. Mehr als 230.000 Videos stehen unter Beobachtung, ein knappes Viertel davon verstoßen gegen Urheberrechte, der Rest steht in Konflikt mit den Nutzungsbedingungen von YouTube. Interessant ist, wie gerade die großen Firmen und Konzerne die sie gefährdenden Inhalte aufspüren und von dem Videoportal entfernen lassen, aber auch, was alles als anstößig oder ungeeignet empfunden wird.

So kursierte z.B. einige Zeit eine Parodie im Internet, die Szenen aus dem deutschen Film "Der Untergang" mit den Worten von Hillary Clinton verband. "HillaryŽs Downfall" wurde durch die Constantin Film AG gelöscht. Hitler-Vergleiche mit der US-Politikerin gibt es massig bei YouTube, aber dieser verletzte Urheberrechte. Auch die Szene, in der der Schriftsteller Rainald Goetz 1983 in Klagenfurt vor Publikum eine Rasierklinge über seine Stirn zieht und sein Buch vollblutet, ist entfernt worden. Ein Blick quer durch das Archiv von YouTomb zeigt, dass oft die großen Firmen wie Sony, die NBA oder die World Wrestling Entertainment, Inc. hinter den Verboten stecken. Während die einen versuchen ihre Inhalte vor unrechtmäßiger Vervielfältigung zu schützen, weisen die Studenten vom MIT hauptsächlich daraufhin, dass der Geschäftpraxis von YouTube viele kleine Kunstwerke des Internets zum Opfer fallen.

Quelle: Sueddeutsche.de
Bild: YouTomb

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