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Türkei sperrt YouTube wegen Anti-Atatürk-Filmchen

Seit 70 Jahren ist der türkische Republikgründer Atatürk tot und dennoch hält er ein Land noch in Aufruhr. Wegen Anti-Atatürk -Filmchen sperrt Türkei YouTube.

Es ist nicht nur ein Verbrechen, die türkische Nation zu verunglimpfen, auch wer Atatürk beleidigt macht sich strafbar und wenn jemand auf einem Internetportal, wie YouTube, das Bildnis Atatürks verunglimpft, dann leidet im Internetzeitalter eben das ganze Land.

Denn als das Parlament letztes Jahr ein neues Internetgesetz erließ, verfügte es auch, dass die türkischen Gerichte jede Internetseite innerhalb von 24 Stunden sperren können, wenn auf diesen folgende Sünden begangen worden seien: Pädophilie, Verherrlichung von Drogen, Pornographie, Aufruf zum Selbstmord und die Beleidigung Atatürks.

Und letzteres hat es dazu gebracht, dass in der Türkei das Portal YouTube gesperrt wurde. Denn Atatürk wird hier zum "Opfer": Er wird geschminkt, kann plötzlich singen und tanzen. Aber er ist vor allem "schwul" - so zumindest die griechischen Nationalisten, die auf die Internet-Botschaften "Griechen sind alle schwul", seitens junger Türken Anfang 2007, kontern. Es ist also zu einer kleinen, pubertären, türkisch-griechischen Netzschlacht gekommen.

Doch die pubertäre Netzschlacht auf YouTube zieht folgenschwere Reaktionen der türkischen Richter nach sich, die die Türkei immer wieder gerne von der Welt abkoppeln und die Portale sperren. Die Kritik darauf ist groß: Einerseits sei die Zensur überzogen und dumm, andererseits sei sie ein Schlag gegen die Meinungfreiheit. Dumm sind die Internet-Blockaden aus zwei Gründen, so die Süddeutsche: Erstens wissen auch türkische Internetnutzer, wie leicht sich so eine Blockade umgehen lässt. Und zweitens sind im Netz und auf YouTube weitaus mehr Filmchen, die Atatürk verherrlichen, als dass sie ihn beleidigen.

Im Fokus aller Kritiker steht die Tatsache, dass es in der Macht eines jeden lokalen türkischen Strafgerichtes liegt, mit seinem Urteil Webseiten über Nacht landesweit sperren zu lassen. Die Zeitung Vatan spottet diesbezüglich indem sie Atatürks berühmten Satz "Wie glücklich ein jeder, der sich Türke nennen darf" umwandelten in : "Wie glücklich ein jeder, der einmal sagen darf: ,Youtube ist verboten.‘"

Ob die Türkei wohl in Zukunft ein Auge zudrückt, über die pubertären Atatürk-YouTube-Schlachten hinwegsieht und das Land friedlich im Internet surfen lässt?

Bild: YouTube

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