Excite

Neues Netzwerk: Ello - eine Facebook Alternative?

  • Twitter

Das neue soziale Netzwerk Ello will eine Alternative zu Facebook sein - Ello verspricht seinen Usern ein Netzwerk ohne Werbung, ohne Klarnamenpflicht und ohne Pornoverbot - trotz eines Hacker-Angriffs in der Nacht zu Montag verzeichnet Ello rund 30 000 Registrierungs-Anfragen pro Stunde - und profitiert von der Facebook-Flucht.

Das Netzwerk Ello ist seit seinem Start im Juli 2014 nur über Einladungen zugänglich - laut dem Mitgründer Paul Bundnitz bekomme Ello derzeit rund 30 000 Registrierungs-Anfragen - pro Stunde. Ist Ello das Netzwerk der Zukunft und Facebook sowieso längst tot?

Ello: Ein werbefreies Netzwerk

Während Facebook ab sofort alle seine Nutzerdaten Werbetreibenden zur Verfügung stellt, welche ihre Zielgruppe auch außerhalb des Netzwerks ansprechen möchten, verspricht Ello eine werbefreie Zone - keine Anzeigen, keine Klarnamenpflicht und kein Pornoverbot. Ello will also ganz anders sein und alles besser machen als die bestehenden, großen sozialen Netzwerke. Wirklich?

Bei Facebook machen die meisten Nutzer ihre Angaben ganz freiwillig und wahrheitsgemäß - oberst im Juni hat Facebook seine User darauf hingewiesen, dass werberelevante Daten über sie gespeichert werden (und wie man das Tracking aber auch einschränken kann). Ello hingegen gibt sich als ein soziales Netzwerk, das erst gar keine Werbeanzeigen einblendet und welches kein Geld mit Profildaten verdient. Viele Menschen sind davon begeistert.

Der größte Vorteil vom Netzwerk Ello ist also: Es ist werbefrei, kommt ohne Anzeigen aus und bietet viel Platz, um beispielsweise großformatige Fotos zu posten. Ello wirkt zwar wenig lebendig, allerdings ist Ello bislang auch nur spärlich "bevölkert". "Ello ist noch in der Betaphase", so einer der sieben Ello-Gründer gegenüber der ZEIT Online, Paul Budnitz. "Wir haben es ursprünglich als privates Netzwerk gebaut und zunächst nur rund 100 Künstler und Designer aus unserem Bekanntenkreis eingeladen. Aber weil so viele Menschen Mitglied werden wollten, haben wir uns entschlossen, es langsam öffentlich zu machen."

Nur über Einladung

Wer bei Ello Mitglied werden will, benötigt eine Einladung von jemandem, der schon User bei Ello ist. Das minimalitische Design von Ello ist Budnitz wichtig: "Die anderen Netzwerke sind vollgestopft, hässlich und überall stehen Anzeigen. In Facebook haben wir zudem festgestellt, dass unsere Freunde mitunter nicht sehen konnten, was wir gepostet haben, weil Facebook Anzeigen und bezahlte Posts bevorzugt." Bei Ello sieht man deshalb auch nur die Einträge, welchen man explizit folgen will. Und diese lassen sich auf zwei Listen verteilen: "Friends" für alle engen Kontakte und "Noise" für alle, deren Einträge man hin und wieder sehen will. Bei Ello gibt es keine Zeichenbegrenzung für die einzelne Einträge und es gibt die sogenannte Klarnamenpflicht nicht. Pornografische Inhalte sind, sofern man sie als NSFW ("Not Safe For Work", auf deutsch: nicht Arbeitsplatz-tauglich") kennzeichnet, erlaubt.

Gratis? Oder doch nicht?

Ein paar Funktionen fehlen noch, so kann man bisher keine Videos oder Soundfiles einbinden, man kann andere Nutzer nicht blocken und einen privaten Kanal für Nachrichten gibt es auch noch nicht. Auch eine Ello-App für mobile Geräte steht noch aus. Aber das alles soll wohl in den kommenden Wochen neu eingeführt werden. Diese Weiterentwicklung sowie der generelle Serverbetrieb kosten Geld. Ello ist aber kostenfrei. Und werbefrei. Woher kommt also das Geld? Die Lösung heißt: Kostenpflichtigen Zusatzfunktionen. Budnitz sagt: "Ello kann man komplett kostenlos nutzen. Aber von Zeit zu Zeit werden wir spezielle Funktionen anbieten, für die einige unserer Nutzer bereit sein werden, etwas Geld zu bezahlen. Zum Beispiel könnten wir 99 Cent dafür verlangen, dass man mehrere Ello-Profile über einen einzigen Log-in verwalten kann." An dieser Stelle werden Stimmen von Kritikern laut. Sie bemängeln Ello - der Dienst habe rund 430 000 Dollar von Risikokapitalgebern angenommen, als Anschubfinanzierung, und das Geschäftsmodell von Ello sei uneindeutig. Denn entweder es sein wirklich gratis - oder eben nicht.

Somebody - eine Alternative zu Whatsapp oder Facebook von Prada?

Ob sich das Konzept von Ello durchsetzen kann? Ello ist letztlich nicht das erste soziale Netzwerk, welches anders und vor allem besser sein will als Facebook, Twitter oder Google plus. Auch App.net oder Diaspora wollten das. Bisher mit nicht sehr großen Erfolgen. Zudem ist bei Ello schon kurz nach dessen Start klar, dass auch hier die Sicherheit der User und ihrer Daten nicht unbedingt gewährleistet werden kann. In der Nacht zum vergangenen Montag war Ello Ziel eines Hacker-Angriffs geworden. Für mehrere Stunden war die Webseite mit einer sogenannten DDOS-Attacke lahmgelegt worden. Dabei sind die Server mit sinnlosen Anfragen überhäuft worden, bis sie schließlich in die Knie gingen.

Deutschland - Excite Network Copyright ©1995 - 2016