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Netzneutralität - was ist das und weshalb ist sie so wichtig?

Netzneutralität ist eines der wichtigsten Schlagworte im Internet, aber relativ unbekannt: Dabei steht es für Prinzipien, ohne die das Internet nie das geworden wäre, was es heute ist und ohne die es in Zukunft vielleicht nur verkümmern wird, statt all die Chancen nutzbar zu machen.

Netzneutralität bedeutet, dass jeder, der auf das Internet zugreift, das gleiche sieht und benutzen kann (passwortgeschützte Seiten natürlich ausgenommen). Und zwar unabhängig davon, in welchem Land er sitzt, welchen Provider er bezahlt, um ins Internet zu kommen und mit welchem Gerät er ins Internet möchte. Natürlich können Taschenrechner oder Handys nicht die gleiche Geschwindigkeit oder Anzeige leisten, wie Riesencomputer, aber die technischen Beschränkungen der Hardware sollten das einzige Problem sein.

Was bedeutet Netzneutralität

In einem gut verständlichen Video zeigt Anonymous, was sich hinter „Netzneutralität“ versteckt. Wenn jemand, irgendwo auf der Welt und an irgendeinem Computer, Laptop oder Handy, eine Webseite wie diese hier aufruft, dann sieht er den Text und das zugehörige Bild. Er kann die Links anklicken, die eingeblendet werden und sich informieren. Wenn sein Empfang schlecht ist, dauert das länger, wenn er einen stabilen Netzzugang hat, sollte die Seite sofort aufgebaut sein. Außerdem begrenzt natürlich die Rechenleistung des verwendeten Geräts die Geschwindigkeit: Ein uraltes Handy baut Seiten langsamer auf, als ein Rechner mit viel Arbeitsspeicher, der auch Onlinespiele gut verarbeiten kann.

Es gibt aber von einigen Providern, also Internetzugangs-Anbietern wie der Telekom, Pläne, die Geschwindigkeit künstlich zu verändern: So möchte die Telekom beispielsweise ihren Kunden nur langsames Internet zur Verfügung stellen, wenn sie sich zu viel außerhalb der von der Telekom festgelegten Bereiche bewegen. Plötzlich soll es einen Unterschied dazwischen geben, wie schnell ein Paket im Netz der Telekom weitergeleitet wird. Und zwar nicht abhängig davon, wie groß es ist (das wird bei der Datenübertragung automatisch angepasst, sodass alle gleich großen Pakete auch gleich schnell reisen) sondern abhängig davon, was es enthält: Daten, die von der Telekom angeboten wurden, kommen schnell, andere langsamer.

Das sieht nicht nur nach einem ziemlich schlechten Angebot aus, das ist auch eine komplette Umkehrung der Vorteile des Internets. Als die ersten Anbieter auf den Markt kamen und langsam viele Länder ans Internet angeschlossen wurden, erschloss sich ein enormer Vorteil des weltweiten Netzes seinen begeisterten Nutzern: Es machte überhaupt keinen Unterschied, ob jemand in einer amerikanischen Kleinstadt, einer europäischen Großstadt oder auf einer afrikanischen Insel saß: Das World Wide Web war das gleiche.

Es gab enorme Entwicklungen, die genau darauf basierten: Menschen überall auf der Welt haben sich zusammengeschlossen und auch unabhängig von Konzerten Programme entwickelt - kostenlos und ohne dafür bezahlt zu werden, einfach nur, weil sie etwas Gutes auf den Weg bringen wollten. Solche Projekte sind aber nicht profitabel für kommerzielle Anbieter und fallen deswegen wohl eher in die Kategorie des "langsamen" Internets, das eine geringe Priorität bekommen wird.

Viele Angebote und viele Versuche der Meinungsäußerung werden mit einem Zweiklasseninternet aussterben. Wenn schon in Europa oder Amerika, wo Bürger eigentlich an vielen beteiligt sein sollen, die Regierungen diese Form der Zensur einfach durchwinken, dann brauchen sich diese hehren Verfechter der Freiheit wohl auch kaum beschweren, wenn in Ländern wie China der Zugang zum Internet kontrolliert wird.

Europa gibt auf?

Bis vor einer Weile schien man in Europa vor derartigen Einschränkungen sicher, weil die zuständigen Regierungsbeamten versprachen, sich gegen die Beschränkung des Internets abhängig von dem Wohlwollen des Providers einzusetzen.

Es kommt ja auch niemandem in den Sinn, dass die Post ab sofort Briefe vorsortieren darf und all die Post, die dort jemand für unwichtig hält, ein paar Tage länger liegen lässt, während sie ständig eigene Werbung auch in diejenigen Briefkästen wirft, auf denen dick steht "Keine Werbung", oder dass Kunden ihre Post nur dann innerhalb einiger Tage bekommen, wenn sie zusätzliches Geld bezahlen. Die Analogie hört auf, wo die Post natürlich mehr Geld dafür verlangt, wenn ein Brief besonders schnell ankommen soll: Hier bekommt man eine Zusatzleistung, die den Zusteller auch mehr Aufwand kostet. Bei der Drosselung im Internet hingegen handelt es sich um einen künstlich eingebauten Flaschenhals: Die Provider wollen einfach entscheiden, dass sie bestimmte Post nicht liefern: Der Brief ihres besten Freundes kann nach Meinung der Postdienststelle warten, der vom Finanzamt nicht – dagegen würde man sich doch auch wehren.

Also sollte man sich auch für Netzneutralität einsetzen, und Anbietern, die jetzt schon versuchen, sich darum herum zu mogeln, schnellstmöglich kündigen.

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