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Marionette 2.0 - Künstler lässt sein Leben von Online-Community bestimmen

Crowdsourcing ist eines der Grundprinzipien des neuen Internets. In England bestimmen 28.000 Fans die Aufstellung des Fußballvereins "Ebbsfleet United" im Internet und IBM hat schon vor mehr als einem Jahr ein Brainstorming im Web mit 150.000 Usern aus 104 Ländern durchgeführt. Jetzt wird die digitale Stimme der Masse auch in der Kunst eingesetzt, beim Projekt "New Golem" des Künstlers Gregor Jura.

Über einen Zeitraum von 120 Tagen will der Österreicher von einer Online-Community bestimmen lassen, was er tun und was er lassen soll. Auf newgolem.com kann jeder registrierte Besucher Vorschläge für Aktionen machen, über die die Masse demokratisch abstimmt. Der Golem bezeichnet in jüdische Legenden ein ungeformtes Geschöpf aus Lehm, das besondere Kräfte hat und Befehlen folgt.

Kommenden Samstag startet das Projekt. Im Gespräch mit "FOCUS Online" verriet Jura, wie aufgeregt er ist und, dass er vor fast nichts zurückschrecken würde. Auf seiner Website hat er als Anregung eine Preisliste gängiger Schönheits-OPs angegeben und auch einen Religionswechsel macht ihm keine Angst. "Spannend wären gut überlegte Vorschläge, die im ersten Moment eigentlich relativ einfach ausschauen und sich später zum Höllenszenario entwickeln.", sagt er.

Der Künstler will mit seiner Performance aufzeigen, "wie die Gesellschaft mit einem Menschen umgeht, mit dem man alles anstellen kann.". Er sieht die Aktion als Umkehrung der Online-Welt Second Life, da die User ein reales Leben gestalten. Da kann man nur für ihn hoffen, dass die Internetnutzer gnädig über seine kommenden drei Monate bestimmen.

Bild: newgolem.com

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