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Japan: Erst E-Mail, dann Anruf

Dass Japaner höfliche Menschen sind, das ist bekannt, aber dass sie sogar so höflich sind, freundlich per E-Mail anzufragen, ob es gestattet sei, bei dem E-Mail-Empfänger anzurufen, das ist neu. Diese für Europäer eher ungewöhnliche Art des Kontaktens hat aber mit den besonderen Gegebenheiten in Japan zu tun.

Darf ich Dich gleich anrufen? Diese Frage schicken Japaner wohl erst per E-Mail los und holen sich die Erlaubnis für einen Anruf ein. Vor allem bei jungen Mädchen sei dieser Trend sehr verbreitet, berichtet der Blog 'Asiajin', der sich mit Techniktrends in Japan beschäftigt. Doch bei genauerer Betrachtung ist das gar nicht so ungewöhnlich.

In Japan ist es nämlich verpönt, in U-Bahnen oder Bussen zu telefonieren. Es ist zwar nicht verboten, aber der Hinweis: 'Stellen Sie ihre Mobiltelefone auf leise und sehen Sie davon ab, sie zu benutzen', macht relativ deutlich klar, dass öffentliches Telefonieren nicht gern gesehen und noch weniger gern gehört wird. Also will man seine Mitmenschen auch nicht in die peinliche Situation versetzen, dass man den Freund oder die Freundin in der U-Bahn anruft.

Andere Gründe für die höfliche E-Mail vor dem Telefonat sind, dass der Anrufer sicher gehen will, dass der Angerufene nicht gerade am Arbeitsplatz ist oder ob es ihm schon zu spät sei für ein Telefonat. Vielleicht hat der Angerufene auch keine Lust zu telefonieren, fühlt sich aber genötigt, an den klingelnden Apparat zu gehen. All das sind höfliche Dinge und erklären sogar ganz plausibel, warum Japaner erst per E-Mail anfragen, ob sie jemanden anrufen dürfen.

Bild: berryblog, Webradio Doppelpass, YouTube

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