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Das Kino der Zukunft soll interaktiv sein

Schon seit Jahrzehnten wird getüftelt und gesponnen, wie wohl das Kino der Zukunft aussehen wird. Über die 3D-Kinos, die es schon seit den 50er-Jahren gibt, bishin zu IMAX-Panoramen oder Kinosälen mit Geruch und sich bewegenden Sitzen, alles läuft darauf hinaus, es einfach realer zu machen für den Zuschauer. Die Visionen sind meist groß, die Erfolge eher mäßig. Was aber könnte realer sein, als wenn man selbst die Bewegungen und die Handlungen in einem Film mitbestimmt, quasi ein Teil des Films ist? Das Projekt "Virtual Reality Space Theatres" setzt bei diesem Gedanken an, im Kino der Zukunft soll der Zuschauer den Film selber steuern.

Insgesamt erlebt das 3D-Kino wieder eine Art Renaissance. Die schwachen Zuschauerzahlen der letzten Jahre lassen die Betreiber der Lichtspielhäuser umrüsten und Risiken eingehen. Die angesprochene IMAX-Technik z.B. schafft räumliche Tiefenwahrnehmung bis weit in die Augenwinkel, schon hat man das Gefühl, im Kinofilm "drin" zu sein. Die IMAX-Filme müssen allerdings auch mit bestimmten Kameras auf aufwendige und teure Art gedreht werden, gerade hier in Deutschland gibt es noch nicht viele Kinos dieser Sorte.

Die Ideen der Betreiber des "Virtual Reality Space Theatres" in München betreffen aber nicht nur den visuellen Aspekt des Kinos. Hier plant man, den Zuschauer aktiv einzubinden, quasi eine Mischung aus Kino und Computerspiel zu schaffen. Unternehmensführer Josef Striedl sagt: "Wir wollen gemeinschaftliches Spielen mit 3-D-Projektionen im Kinosaal kombinieren." Zu den ersten Plänen gehört ein Unterwasserabenteuer. Die Zuschauer müssen zwei Wissenschaftler aus einem U-Boot retten. Mit einem Gamepad bewaffnet würden sie verschiedene Rollen übernehmen, wie vor der heimischen Playstation. "Die erste Reihe im Kino könnte dann zum Beispiel die Geschwindigkeit bestimmen, die letzte Reihe die Richtung", sagt Striedl.

Die Beteiligung der Kinozuschauer könnte sogar soweit gehen, dass sie sich innerhalb des Film selber bekämpfen. Wenn ein Taucher z.B. von einigen Haien gejagt wird, so würde ein Computer auslosen, welcher Zuschauer den Taucher und welche die Haie steuern. Der Rest würde solange zuschauen. Dabei soll es sich aber nicht nur um die Übertragung eines Computerspiels auf die Leinwand handeln, Josef Striedl betont: "Wir stellen uns vor, dass solche Filme vorn, vor der Leinwand, deshalb außerdem moderiert werden. Man würde die Zuschauer also auch ein wenig an die Hand nehmen. Wir wollen ein Entertainment-Erlebnis auf der Kinoleinwand schaffen und gleichzeitig ein Gruppengefühl erzeugen."

Das hört sich ziemlich stark nach Zukunftsmusik an, soll aber schon im kommenden Jahr soweit sein. Ab Februar sollen erste Produktionen des "Virtual Reality Space Theatres" bereits auf der Berlinale gezeigt, bzw. gespielt werden. Ein solches Kinospiel würde 45 Minuten dauern, Technologie-Hersteller für die 3D-Brillen, Chips und Gamepads sind auch schon mit an Bord. Man kann also gespannt sein, ob das Kino der Zukunft schon ziemlich bald Realität wird.

Quelle: Welt Online
Bild: Inition.co.uk

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