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Bundestagswahl Deutschland: Aufruf zum Wahlboykott auf YouTube

Mit einem Video auf YouTube, in dem deutsche Promis behaupten, sie gingen nicht wählen, sollen junge Wähler dazu bewegt werden, ihre Stimme bei der Bundestagwahl abzugeben. Das Video, in dem unter anderem Tagesschau-Sprecher Jan Hofer und Moderatorin Sarah Kuttner ihre Abneigung gegen Politik offenbaren, ist eine 1:1-Kopie eines amerikanischen Spots, mit dem Hollywoodschauspieler, Serien- und Popstars junge amerikanische Wähler erfolgreich zur Abgabe ihrer Stimme bei der Präsidentschaftswahl bewegten.

Das erste, was dem YouTube-Nutzer auffällt, sind Sonnenbrillen. Claude-Oliver Rudolph steht da mit dunkler Beglasung vor den Augen und sagt: "Politiker sind doch alles Versager. Denn wenn sie nicht so Versager wären, dann wären sie ja draußen im freien Leben, in der Wirtschaft, in der Kunst." Dem Filmfiesling nimmt man die Politikverdrossenheit noch ab. Auch Mike Krüger, Alexandra Kamp, Ralf Richter oder Sarah Kuttner, die dazu noch unverständlicherweise die Kamera ablecken will. Aber als Tagesschau-Sprecher Jan Hofer, Synonym für Seriosität, meint: "Sie werden es vielleicht nicht glauben. Aber ich gehe nicht wählen.", da ist man dann doch verdutzt.

Der Antiwahlwerbe-Spot

Es handelt sich bei dem Spot auf YouTube allerdings um eine Wahlwerbekampagne, die mit ironischem Ton junge Wähler zur Wahl mobilisieren soll. Daran beteiligt sind noch Rapper Denjo, Ralf Zacherl, Bernhard Brink und jede Menge Promis, die unter die Kategorie "Wer ist das denn noch mal?" fallen. Vorbild für den Aufruf ist ein Spot aus den USA. Dort rief eine riesige Starriege an Schauspielern und Musikern zum Boykott der Präsidentschaftswahl auf. Mit bis an die Grenzen überspannter Ironie. Aber ziemlich schnell lenkten die Topstars das Thema in eine andere Richtung. Halle Berry sagt: "Geh nicht wählen, es sei denn, dich kümmert das Gesundheitssystem." Und Tobey Maguire meint darauf: "Oder die steigenden Gaspreise." Und so geht es weiter. Tenor des Spots: Geh wählen. Ironisch und lustig verpackt. Die Message zog übrigens, junge Wähler gingen wählen.

Dass es bei dem deutschen Spot, der auch in Ästhetik und Wortlaut das US-Vorbild kopiert, auch so klappt, darf zumindest angezweifelt werden. Denn da wird nichts aufgeklärt. Deutsche Schauspieler und irgendwelche Bushido-Klone sagen bis zum Schluss: "Geh nicht wählen." Die Message sitzt und wer den Spot sieht, muss die Ironie selbst erkennen. Gibt es noch einen zweiten Spot, der alles aufklärt? Auch in Amerika wurde ein zweiter Spot produziert, in dem die Regieanweisungen von Steven Spielberg zu hören sind. Er muss Stars wie Tom Cruise, Shia LeBouf, Zach Braff, Dustin Hoffmann oder Scarlett Johansson darauf hinweisen, dass sie sagen sollen: Geht NICHT wählen. Die Schauspieler gucken alle verdutzt. Zach Braff fragt: "Sagt Tom Cruise das auch?" Und Justin Timberlake meint: "Ich kann das sagen, ich mach alles, ich war in einer Boyband." Ironie und Selbstironie verpackt zu einem stimmigen Gesamtpaket.

Der amerikanische Spot mit Steven Spielberg

Diese Stimmigkeit vermisst man bei dem deutschen Spot. Für die ironischen Seitenhiebe muss TV-Koch Ralf Zacherl herhalten, der als Reaktion aber nur sein aus dem TV bekanntes hilfloses Lächeln aufsetzt. Angeblich soll es noch einen zweiten Spot geben, der die Auflösung bringt und die Botschaft in eine andere Richtung lenkt. Warum allerdings erst der halbe Clip mit der missverständlichen Message gezeigt wurde, dazu wollte laut sueddeutsche.de ein Sprecher der Produktionsfirma probono nichts sagen. Da bleibt zu hoffen, dass sich die Anti-Wahlbotschaft der deutschen Promis nicht schon in die Gehirne der jungen Wähler eingebrannt hat.

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