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Abraham Biggs: 19-Jähriger überträgt Selbstmord per Webcam

In den USA hat ein 19-jähriger Mann live im Internet übertragen, wie er sich das Leben nahm. Der Selbstmord vor laufender Webcam war angekündigt und hatte offenbar zahlreiche Zuschauer, aber eingegriffen hat niemand. Als die Polizei Stunden später das Appartement von Abraham Biggs stürmte, lag der junge Mann bereits reglos da. Die amerikanische Öffentlichkeit zeigt sich nun bestürzt und neue Diskussionen über die Möglichkeiten des Internets entfachen.

Bereits mehrfach hatte Abraham Biggs sein Vorhaben in einem Bodybuilder-Forum angekündigt. Von dort aus setzte er auch einen Link auf das Portal Justin.tv, das für Live-Übertragungen von Webcams genutzt werden kann. Diese bestimmte Webcam zeigte das Zimmer in Florida, in dem Biggs große Mengen von Schlaftabletten einnahm und sich dann zum Schlafen auf das Bett legte. Die Zuschauer im Chat machten derweil Scherze auf seine Kosten, schienen sein Vorhaben nicht ernst zu nehmen. Einige versuchten ihn davon abzubringen Selbstmord zu begehen, andere stachelten ihn noch an. Ein Zuschauer benachrichtigte den Moderator von Justin.tv, der dann den Standort von Abraham Biggs ermitteln und an die Polizei weitergeben konnte.

Die letzten Sekunden des Videos kursieren im Netz: Der Polizist findet nur noch den leblosen Körper von Abraham Biggs

Der junge Mann litt unter einer manisch-depressiven Erkrankung und bekam die Opiate verschrieben. Nach dem traurigen Vorfall zeigt sich die Öffentlichkeit ebenso bestürzt wie die Internet-Community und vor allem die Familie von Abraham Biggs sucht nach Antworten. Abrahams Schwester Rosalind sagte: "Das durfte nicht sein. Sie hatten Hits, sie hatten Zuschauer, und stundenlang passierte nichts." Sein Vater gab an, dass er das Video vom Selbstmord seines Sohnes auf keinen Fall anschauen werde. "Wir waren sehr gute Freunde. Es ist falsch, dass dies zugelassen wurde", sagte er. Michael Seibel, Betreiber von Justin.tv, bedauert die Geschehnisse, stellt sich aber dennoch schützend vor seine Plattform.

Tatsächlich handelte es sich bei dem Vorfall in Florida nicht um den ersten dieser Art. Live-Suizid im Internet gab es bereits mehrfach. Ein Amerikaner hat sich einst vor laufender Webcam in den Kopf geschossen, ein Brite hat sich erhängt. Die Kulturwissenschaftlerin Montana Miller stellt solche Vorfälle dem Exhibitionismus der heutigen Jugendlichen in Rechnung: "Falls es nicht aufgezeichnet ist, scheint es ihnen nicht wichtig. Für die heutige Generation scheint zu gelten: ’Warum soll man etwas machen, wenn es nicht alle sehen werden?’" Was sich Abraham Biggs letzlich gedacht hat bei seinem Selbstmord im Internet, weiß niemand - Tatsache ist nur, dass zahlreiche Zuschauer nicht handelten.

Quelle: Welt Online, Spiegel Online
Bild: MySpace, LiveLeak

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